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Impuls zum 7. Juni 2026

Zum 10. Sonntag im Jahreskreis

Von Veronika Hüning (Höhbeck im Wendland), pax christi Diözesanverband Hildesheim

„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“

Lied: Herr, dir ist nichts verborgen; GL 428

Vor einem Vierteljahr habe ich an einer Online-Veranstaltung der Domberg-Akademie in München teilgenommen, Thema: Sündentheologie. Schon länger hat es sich in mir gesträubt, wenn es hieß: Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Was sollte das bedeuten, dieses „Für“? Jesus soll sich geopfert haben, um unsere Sünden zu tilgen. Oder: Gott hat seinen Sohn geopfert für unsere Erlösung. War das notwendig? Waren die politisch und religiös Mächtigen, die ihn dem Foltertod preisgegeben haben, in Gottes Heilsplan vorgesehen?

In einem der Impulsreferate wurde „Sünde“ wieder zurückgeführt auf die Bedeutung: „abgesondert sein“, also getrennt sein von Gott, Gottes Willen, Gottes Liebe. Nicht nur Jesu Tod am Kreuz, sondern sein ganzes Leben habe seinen Sinn darin, die Verbindung zwischen Mensch und Gott wieder herzustellen, dieser Versöhnung zu dienen – auch um den Preis der Hingabe seines Lebens. Hingabe – ja. Das mit dem „Opfer“ bleibt für mich schwierig.

Hos 6, 3-6
Der Prophet spricht in Gottes Namen und das in klaren Worten: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ Das ist eine deutliche Absage an alle Bemühungen, Gott mit Opfergaben gnädig zu stimmen. Laut Hosea bringt Gottes Enttäuschung über die fehlende Liebe seines Volkes ihn sogar zu fürchterlichen Verfluchungen. Der barmherzige Gott ist da gerade nicht wiederzufinden. Jedenfalls ist das Töten und Verbrennen von Tieren nicht das, was die Menschen mit Gott versöhnt, sondern allein Liebe und das Streben danach, Gott zu erkennen.  

Lied: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; GL 422

Röm 4, 18-25
„Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt…“ – Hier ist es, das Paradoxon, das uns als pax christi ins Stammbuch geschrieben ist: zu „hoffen wider alle Hoffnung“. Darauf zu vertrauen, dass Gottes Verheißung gültig ist, dass Schuld und Bosheit und Tod nicht das letzte Wort haben, dass wir eine Zukunft finden werden in Gottes liebender Nähe – das setzt alle noch so berechtigte Hoffnungslosigkeit außer Kraft. Gott hat die Macht, einem uralten Mann wie Abraham Nachkommen zu geben. Er hat die Macht, den gekreuzigten Jesus zu neuem Leben zu erwecken. Er hat die Macht, unsere Ohnmachtsgefühle zu überwinden angesichts der zahlreichen und komplexen Krisen unserer Gegenwart.
An uns ist es, standzuhalten, zu lieben, zu tun, was wir können.

Lied: Meine engen Grenzen; GL 437

Mt 9, 9-13
Gehören wir zu den Gesunden oder den Kranken? Den Sündern oder den Gerechten? Da gibt es wohl kein Entweder – Oder. Jesus hätte mit uns gegessen, obwohl wir weder eine blütenreine Weste haben noch zu den öffentlich Ausgegrenzten gehören. Er ist gekommen, um uns zu rufen, weil er uns zutraut, Gutes zu bewirken, aber auch, weil wir seiner Vergebung, seiner Ermutigung bedürfen. Die Barmherzigkeit, die er uns schenkt, erwartet er auch von uns – gegenüber allen, die unsere Solidarität brauchen.

Gebet
Du treuer und liebender Gott,
stärke uns für die Nachfolge Jesu Christi.
Er hat uns den Weg gewiesen – zu den Armen, Unterdrückten, Verlorenen.
Er war barmherzig, hat Menschen verziehen, die Schuld auf sich geladen hatten,
hat Verkrüppelte und Verachtete in die Mitte der Synagoge gestellt, hat denen eine Absage erteilt, die sich mit Gesetzestreue und Opfergaben einen Platz in deinem Reich sichern wollten.
Zeige uns den Weg, wie auch wir – im privaten Leben und in der Friedensbewegung – mehr Gerechtigkeit, Liebe und Wahrhaftigkeit in die Welt bringen können.
Bewahre uns in der Hoffnung, die sich durch Misserfolge nicht auslöschen lässt!
Du segnest unser Tun.
Amen.

Lied: Herr, du bist mein Leben; GL 456